Wer im zeitigen Frühjahr beim Waldspaziergang auf die Blätter des Aronstabes trifft, wird kaum ahnen, daß die glänzenden, pfeilförmigen Blätter ätzende Gifte enthalten. Die Blätter sind leicht gefleckt und erinnern vom Aaussehen her ein wenig an Spinat.

Der Aronstab ist in Mittel- und Südeuropa heimisch. Er wächst bevorzugt in lichten und nährstoffreichen Laub- und Mischwäldern, aber auch in unseren Gärten, und wird bis zu 40 cm hoch. Die bis zu 20 cm langen Blätter sind meist pfeilförmig, dunkelgrün und haben eine ausgeprägte Mittelrippe. Seine Blüten (Mai) sind von einem hellgrünen, gelblichen Hüllblatt umgeben, das sich nach unten kesselartig erweitert. Das Hochblatt bleibt nur für kurze Zeit wie ein Segel aufgerichtet, beugt sich nach wenigen Tagen nach vorn und klappt über den Kolben. Am unteren Ende des Kolbens befinden sich die eigentlichen Blüten, sowohl männliche als auch weibliche. Die Blütezeit ist März bis Mai, die Früchte reifen von Juli bis September. Sie stehen dunkelrot dicht gedrängt am Stengel.

Der Geruch der Blüte ist für Menschen unangenehm, für Insekten aber sehr verlockend. Insekten dagegen werden vom Geruch angelockt und dringen in den Kessel des Hochblatts ein, um die Blüten zu befruchten. Die Blüte heißt daher auch Fliegenkesselfalle.

Aronstab

Aus den Blüten entwickeln sich im Spätsommer (August bis September) Beeren, die zunächst grün und später rot sind. Aber Vorsicht: alle Pflanzenteile des Aronstabes sind giftig! Die erste Giftwirkung spürt man schon gleich nach dem Verzehr von Aronstab-Bestandteilen direkt im Mund und Rachen, denn der Aronstab brennt sehr stark und wirkt ätzend. Ursache sind der Scharfstoff Aroin und die Oxalat-Raphide, winzige kristallartige Nadeln, sorgen für diesen Brenneffekt.

Sogar durch bloßes Berühren entstehen Rötungen der Haut und Blasen. Sollte jemand auf die Idee kommen, die roten, anfangs süß schmeckenden Beeren zu naschen, wird er mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen bestraft. Die Symptome treten meist innerhalb von 5 bis 25 Minuten auf. In der Literatur wird berichtet, daß Todesfälle durch Kollaps aufgetreten wären. Vor allem bei Weidevieh kommt es häufig zu tödlichen Vergiftungen, wenn Aronstab auf der Weide wächst.

Zur Erste-Hilfe-Massnahme kann man Aktivkohle benutzen. Auch Schleimsuppe kann das Brennen lindern. Zur Behandlung sollte man unbedingt zum Arzt gehen.

Infolge seiner Giftigkeit wird der Aronstab heute weder von der Schulmedizin noch in der Volksheilkunde verwendet. Außerdem steht der Aronstab unter Naturschutz, darf also gar nicht gesammelt werden.

Von alters her galt der Aronstab als Zauber- und Hexenpflanze und wurde trotz seiner Giftigkeit früher gegen Erkrankungen der Atemwege verwendet, wenn auch stark verdünnt und sich zunutze gemacht, daß die Scharfstoffe beim Trocknen größtenteils ihre giftige Wirkung verlieren.

In Hungerzeiten wurde die Knolle des Aronstabes sogar als Nahrungsmittel verwendet. Man hat den Wurzelstock gekocht und danach getrocknet, und so die Giftstoffe neutralisiert. Gemahlen diente er als Mehlersatz. Das Aussehen der Blüte legt nahe, daß der Aronstab auch für Liebeszauber verwendet wurde; auch Schlangen sollte er abwehren. Kinder in der Wiege wurden durch Aronstab vor Unholden geschützt, und böse Träume sollte er auch vertreiben. Das ist beileibe nicht alles. In manchen Gegenden hing die Getreideernte von der Beschaffenheit des Kolbens ab, die Form der insekteneinfangenden Reuse zeigte die Heuernte an, die männlichen Blüten deuteten auf die Obsternte hin und die weiblichen Blüten auf die Trauben- und Erbsenernte.

Das Aussehen und die Inhaltsstoffe gaben der Pflanze vielerlei Namen wie Aasblume, Chindlichrut, Chrippenkindli, Dittichrut, Entenschnabel, Eselsohren, Fieberwurz, Frostwurz, Gefleckter deutsche Ingwer, Heckenpüppchen, Johanneshaupt, Katzenpis, Magenkraut, Pfingstblume, Ronechrut, Schlangenbeer, Stinkblume, Zahnkraut und Zehrwurz.

Der eigentliche Name könnte im Zusammenhang mit dem Hohenpriester Aron (Altes Testament) stehen: “Und Aaron warf seinen Stab vor den Pharao und vor seine Knechte hin, und er ward zur Schlange”. Interessant ist die Passage einer deutschen Sage „Als Josua und Kaleb ins gelobte Land geschickt wurden, nahmen sie einen Stab und trugen an ihm die große Weintraube und die anderen Früchte jenes Landes. Nachdem sie dieselben abgeladen, steckten sie den Stab in die Erde und an dieser Stelle wuchs nachher die Aronswurzel.“

Unser Aronstab