Weltweit gibt es etwa 60 Falkenarten. Zu den bei uns bekanntesten zählt der Turmfalke.

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist nach dem Mäusebussard der häufigste Greifvogel in Zentraleuropa. Der bei uns übliche Name „Turmfalke“ geht darauf zurück, dass dieser Greifvogel nicht nur Felswände, sondern auch menschliche Bauwerke als Brutplatz nutzt – am liebsten in den obersten Regionen. Neben der Bezeichnung Turmfalke hat der Vogel noch eine Reihe regional sehr unterschiedliche Namen wie Kirch-, Mauer- oder Domfalke. Die weitere Bezeichnung Rüttelfalke weist auf ein charakteristisches Flugverhalten bei der Beutejagd hin.

Turmfalke
Foto aus: NAUMANN, NATURGESCHICHTE DER VÖGEL MITTELEUROPAS: Band V, Tafel 20 – Gera, 1899

Beim Rüttelflug bleibt der Falke mit rüttelndem Flügelschlag in einer Höhe von 10 bis 20 Metern an einer Stelle in der Luft „stehen“ und sucht (etwa über einem Wiesenstück) nach Beute. Den Schwanz hat er dabei breit gefächert und leicht nach unten gewinkelt. Hat er auf diese Weise eine Wühlmaus entdeckt, stürzt er steil abwärts auf seine Beute zu, bremst kurz vor dem Boden ab und greift das Tier.

Weibchen und Männchen unterscheiden sich deutlich in der Kopffärbung. Das Kopfgefieder des Männchens ist grau, beim Weibchen gleichmäßig rotbraun gefärbt. Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen; durchschnittlich haben die Männchen eine Körperlänge von 34,5 und Weibchen von 36 Zentimetern. Die Spannweite der Flügel beträgt knapp 75 und beim größeren Weibchen 76 Zentimeter.

Zum Jagen benötigen Falken freie Flächen mit niedrigem Bewuchs. Aber auch in städtischen Landschaften sind Falken inzwischen heimisch. Denn für Falken müssen Jagd- und Brutrevier nicht identisch sein. Es wird berichtet, dass Falken, die im Turm der Münchener Frauenkirche nisten, bis zu drei Kilometer weit fliegen, um nach Mäusen zu jagen. Städtische Falken haben weite Wege zum Mittagstisch, auch von 5 Kilometer wurde berichtet. Während Falken, die in der Nähe von Feld- und Waldgehölzen leben, Feld- und Wühlmäuse als Nahrung bevorzugen, stehen bei verstädterten Falken schon mal Singvögel (meist Sperlinge) auf dem Speisezettel. Die Beute wird mit den Fängen gepackt und mit einem Biss ins Genick getötet.

Die Balzflüge sind in unserer Gegend von März bis April zu beobachten. Dabei fordert das Weibchen das Männchen zur Paarung auf. Das Männchen wählt den Brutplatz aus und lockt das Weibchen nach der Begattung mit hellen zick-Rufen zum Horst. Wie auch die anderen Falken bauen Turmfalken keine Nester. In felsarmen Regionen oder dort wo es keine geeigneten menschlichen Bauwerke mit Spalten oder Nischen gibt, benutzt der Turmfalke einfach die verlassenen Vorjahresnester anderer Vögel, z.B. von Krähen.

Ab dem 2. Lebensjahr, in der Regel ab Mitte April, werden 3 bis 6 Eier ins Nest gelegt. Das Weibchen brütet allein. Die Jungen schlüpfen nach 27 bis 29 Tagen. Zu Beginn „hudert“ das Weibchen die Jungvögel ganz allein. Das Männchen bringt die Nahrung zum Nest, bzw. übergibt die Beute dem Weibchen in der Nähe des Nestes. Nach zwei Wochen wird nicht mehr gehudert, die Jungen werden mit dem gefüttert, was beide Elternvögel zum Nest bringen. Schon nach 3 Wochen haben die Nestlinge das Körpergewicht ausgewachsener Turmfalken erreicht. Sind die Jungvögel im fortgeschrittenen Alter, wird die Nahrung meist nur noch von den Altvögeln abgelegt; der Nachwuchs muss dann selber fressen.

In mageren Mäusejahren passiert es dann schon mal, dass für den schwächsten Jungvogel kaum genug Nahrung übrig bleibt. So stirbt er vielleicht noch am Brutplatz.

Durch die Beringung konnte man nachweisen, dass Turmfalken Stand- und auch Zugvögel sein können. Ob sie uns im Herbst verlassen, hängt vom Nahrungsangebot im Lebensraum ab. Sehr viele Turmfalken bleiben den Winter über in unseren Breiten. Wenn sie wegziehen, fliegen sie nicht in großer Formation, über die Alpen und das Mittelmeer.

Freilebende Turmfalken können bis zu 18 Jahre alt werden.

Turmfalke