Die Wegwarte

Der Kaffee wächst am Wegesrand.
Die Rede ist von der Zichorie, die wir als Wegwarte kennen. Zichorienkaffee galt in Notzeiten als beliebtes Ersatzgetränk. für Gesundheitsapostel ist Zichorienkaffee sicher auch heute noch eine bekömmliche Alternative.
Die Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte gehört zur Familie der Korbblütler. Als kultivierte Pflanzen kennen wir sie als Chicorée, Radicchio und Wurzelzichorie, auch die Endivie gehört dazu.
Wie der Name beschreibt, finden wir die Wegwarte bevorzugt an Wegrändern und anderen unbebauten Stellen wie Ackerrändern oder Bahndämmen. Vermutlich kommt von diesen Standorten ihr Name: Weg-Warte.
Ihre ersten Triebe erinnern an Löwenzahn. Im Sommer bildet die Pflanze sparrig verzweigte Stengel, die bis zu einen Meter hoch werden und in größeren Abständen kleine Blätter tragen. An den Blattachseln blühen im Spätsommer blaue Blüten bis weit in den Herbst.

Die Blüten öffnen sich morgens dem beginnenden Tag entgegen und folgen dann dem Lauf der Sonne, bis sie sich am zeitigen Nachmittag wieder schließen.

In der Naturheilkunde wird die ganze Pflanze verwendet: die Blüten, Blätter und die Wurzeln. Die Blüten werden im Hochsommer geerntet und möglichst rasch getrocknet. Die tiefen Pfahlwurzeln gräbt man dagegen im späten Herbst aus, zerteilt sie und trocknet sie.

Besonders ihre Bitterstoffe regen die Galle an. Die Tees sind ein gutes Verdauungsmittel und die Leber wird gestärkt. Allgemein wirken die Auszüge der Wegwarte positiv auf alle inneren Organe. In der Pflanze steckt aber noch viel mehr: früher haben die Bergarbeiter ihre entgiftende Wirkung genutzt, um mit Teekuren die Schwermetalle aus dem Körper auszuleiten. In unserer heutigen Zeit kann sie helfen Pestizide auszuschwemmen. Ihre Blüten sind sehr eisenhaltig und sollen gegen Blutarmut wirken. Wegen ihres hohen Inulingehaltes wird die Wegwartenwurzel als gute Nahrungsergänzung für Diabetiker gepriesen.

Für die Herstellung von Zichorienkaffee schneidet man die Wurzel in kleine Stücke. Nach dem Trocknen werden diese langsam ohne Fett geröstet. Danach lassen sich die Wurzelstücke mahlen. Das fertige Zichorienkaffee-Pulver kann man wie Bohnenkaffee aufbrühen. Das Getränk schmeckt einem schwachen n Kaffee sehr ähnlich.

Im Altertum und noch im Mittelalter galt die Wegwarte als wertvolles Zauberkraut. Vor allem im ausgehenden Mittelalter wurden der Wegwarte unglaubliche Zauberkräfte nachgesagt. So sollte eine Wegwarte unter dem Kopfkissen einer Jungfrau dieser im Traum den zukünftigen Ehemann erscheinen lassen. Wurde die Pflanze am Peterstag mit einem Hirschgeweih ausgegraben, sollte derjenige jede Person betören können, die er mit der Blume berührte.

Foto: pixabay

Von Hermann Löns stammt folgendes Gedicht:

Wegwarte“

Es steht eine Blume,

Wo der Wind weht den Staub,

Blau ist ihre Blüte,

Aber grau ist ihr Laub.

 

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