Weiß der Kuckuck…Auf einem Baum ein Kuckuck saß…, Kuckuck, Kuckuck, ruft`s aus dem Wald…, über kaum einen anderen Vogel gibt es so viele Lieder, Weißheiten, Sagen und Sprüche. Mit seinem Ruf soll er gelegentlich sogar die Geldbörse füllen.

Etwa ab der zweiten Aprilhälfte hören wir wieder das gleichförmige „kuck-uck“ aus unserem Überwald. Sichtbar ist der taubengroße, aber schlankere, scheue Vogel eher selten. Bekannt ist uns allen aber sein eigenwilliges Brutverhalten. In Mitteleuropa ist er der einzige Vogel, der seine Eier von anderen Vögeln ausbrüten und großziehen lässt (Brutparatismus).

Trickreich überlistet er die Bruteltern für seinen Nachwuchs. Dafür haben die Kuckucke gleich mehrere Finten entwickelt:

Im Flug sieht er einem Sperber oder Turmfalken ähnlich, was ihm hilft, anvisierte Wirtseltern für wenige Minuten aus ihren Nestern zu vertreiben. Um ein Ei abzulegen braucht Frau Kuckuck maximal dreieinhalb Minuten. Die Farbe der Kuckuckseier ist denen der Wirtsvögel angepasst. Weibliche Kuckucke bevorzugen immer wieder die gleichen Wirtseltern für ihren Nachwuchs – die Eierfarbe ist darauf abgestimmt. Kuckucksküken schlüpfen in kürzerer Zeit als der Nachwuchs ihrer Stiefeltern. Kaum auf der Welt sichern sie sich ausreichende Ernährung, indem sie, mit bestimmten, angeborenen Fertigkeiten die übrigen Eier aus dem Nest schieben.
Bevorzugte Wirte sind Rohrsänger, Grasmücken, Pieper, Bachstelzen, Neuntöter, Bachstelzen, Rotschwänze und sogar der Zaunkönig. Insgesamt sind in Mitteleuropa 45 Wirtsvogelarten bekannt, bei denen eine erfolgreiche Aufzucht stattfindet. „Fehlwirte“ sind selten, eher aber werden parasitierte Gelege von den Wirtsvögeln aufgegeben.

Die künftigen Zieheltern werden durch intensives Beobachten ausgespäht. Frau Kuckuck kann bis zu 25 Eier legen. Im Schnitt verteilt sie 9 Stück auf verschiedene Nester – immer bei der Vogelart, deren Eier ähnlich den ihren gefärbt sind. Die Eiablage findet meist vom späten Nachmittag bis in die Dämmerung statt. Dabei werden ein bis zwei Eier der Wirtsvögel aus dem Nest entfernt, oft einfach aufgefressen. Ungefähr jeden zweiten Tag wird ein Ei in ein neues Nest gelegt.

Nach 12 Tagen schlüpfen die Kuckucke, meistens vor den Jungen des Wirtes. Selten sind schon einzelne oder weitaus seltener alle Jungen des Wirts geschlüpft. Etwa acht bis zehn Stunden nach dem Schlupf befördert der kleine Kuckuck die übrigen Eier aus dem Nest bis er schließlich allein das Nest beherrscht. Seine ausreichende Ernährung sichert der kleine Kuckuck mit einem weiteren Trick. Da bei den meisten Vogeleltern die Menge der herangeschafften Nahrung von der Anzahl der im Nest aufgesperrten Schnäbel abhängt, imitiert der Nestling durch unterschiedliches Rufen die Stimmen der fehlenden Nestgeschwister. Zusätzlich über der große orangerote Rachen des Nestlings starke Reizwirkung auf seine Steifeltern aus – ein wahrer Terror für den „Muttertrieb“ seiner Ersatzmama. Manchmal beteiligen sich sogar weitere Vögel anderer Arten an der Fütterung. Flügge ist der Jungvogel nach etwa 20 Tagen. Dann fliegt er den Wirtseltern entgegen und wird er noch einige Wochen außerhalb des Nests gefüttert.

Ganz Eurasien ist die Heimat der Kuckucke, von Westeuropa und dem Norden Afrikas bis nach Kamtschatka und auch in Japan flächendeckend vor. Ausgenommen sind Island und der äußerstes Norden Skandinaviens. Sein Lebensraum wird vom Nordrand der Taiga begrenzt und reicht bis zum Kaspischen Meer und dem Baikalsee. Im Süden begrenzt der Himalaja den Siedlungsraum.

Kuckucke sind ausgesprochene Langstreckenzieher (überwiegend nachts). Die Vögel unserer Breiten haben ihr Winterquartier in Afrika südlich des Äquators. Dort bevorzugt der Vogel die Nähe von Wasserläufen oder Savannen, in denen Akazien überwiegen. Anfang August verlassen Alt- und Jungvögel Deutschland und kehren meist in der zweiten Aprilhälfte zurück.
Eine Volksweißheit lehrt:

Wenn man den Kuckuck das erste Mal schreien hört, soll man Geld im Sacke haben und damit scheppern, dann wird es das ganze Jahr nicht zu wenig.

Foto: pixabay

Kuckuck