Ihr Name „Calendula officinalis“ kommt vom lateinischen „calendae“ und steht für „erster Tag des Monats“, ein Hinweis, dass die sonnengelbe Blume viele Monate lang blüht. In alten Bauerngärten war die Ringelblume eine beliebte Zierde. Sie ist zwar einjährig, bildet aber reichlich Samen und ist damit dauerhafter Schmuck im Garten. Die Pflanze erreicht Wuchshöhen von 30 bis 50, selten auch 70 Zentimeter. Ihre Stängel sind kantig, kurz und flaumig behaart. Die Blütezeit dauert von Juni bis Oktober. Jede Blüte hat eine Lebenszeit von vier bis fünf Tagen.

Am Blütenkorbrand stehen 30 bis 60 weibliche fruchtbare Zungenblüten von dottergelber bis orangegelber Farbe. Aus diesen Zungenblüten entwickeln sich die 9 bis 15 Millimeter langen, einsamigen Achänen (Schließfrüchte). Die Achänen sind teilweise geflügelt, sichelförmig, gekrümmt bis geringelt und gaben der Pflanze ihren Namen. Mit ihrer rauen Oberfläche und durch die Form verhaken sie sich leicht in Tierfellen und werden so verbreitet.

Der Artname „officinalis“ weist auf ihre Verwendung als Heilpflanze hin. Dafür ist sie von alters her ein Begriff. Schon Theophrast (Schüler von Platon und Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) erwähnt die Droge „Klymenon“, die mit großer Wahrscheinlichkeit für den Namen Ringelblume steht. Hildegard von Bingen hat im 12. Jahrhundert die Heilwirkung der Ringelblume beschrieben, ebenso wie später der Arzt Hieronymus Bock. Der Apotheker Tabernaemontanus (Mitte 16. Jh.) schrieb in seinem Kräuterbrevier: „Der Safft von Ringelblumen in die Ohren gethan soll die Würm darin tödten. Zu den Wehetagen der Zähn soll man des Saffts ein gut Theil in Mund nehmen ein Zeitlang darinn behalten / soll den Schmertzen bald benehmen.“

Die pharmazeutisch bedeutsamen Inhaltsstoffe der Blüten sind Flavonide, besonders das Quercetin, aber auch ein besonderes Glycosid. Die Stoffe wirken entzündungshemmend und fördern die Wundheilung. Ringelblumen werden in der Form von Teeaufgüssen, wässrigen Auszügen, Tinkturen, Extrakten und Salben bei Hautentzündungen, schlecht heilenden Wunden, bei Quetschungen, Furunkeln und Ausschlägen verabreicht. Allergische Reaktionen sind selten.

In der Lebensmittelindustrie wird ihr Blütenfarbstoff eingesetzt, zum Beispiel um Käse und Butter gehaltvoller aussehen zu lassen. In Teemischungen dienen die auch im getrockneten Zustand noch kräftig gelben Blütenblätter als schmückende Zutat. Sogar Safran wurde früher auf die Art verfälscht.

Nach altem Brauch soll Gewitter heraufbeschwören, wer Ringelblumen pflückt. Eine besondere Rolle spielt die Ringelblume zur Liebesweissagung im Traum: Dazu wird sie zusammen mit anderen Sommerkräutern getrocknet, gemahlen und zu einer Salbe verarbeitet, indem man sie mit Honig und Essig vermengt. Junge Frauen trugen diese Salbe vor dem zu Bett gehen auf und baten den Heiligen Lukas, sie von ihrer großen Liebe träumen zu lassen.
Bauern diente die Ringelblume zur Wetterprognose. Mit ihrer Hilfe ließ sich das Tageswetter voraussagen. Aus langjähriger Beobachtung wusste man, es würde einen schönen sonnigen Tag geben, wenn die Blüten zwischen 6 und 7 Uhr morgens bereits geöffnet waren. Waren sie dagegen nach 7 Uhr immer noch geschlossen, so war mit Regen zu rechnen.

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