Unser Gänseblümchen

Die Verwendung von Pflanzen zur Heilung hat eine lange Geschichte. Im Magen des berühmten Tirolers Ötzi (3300 v. Chr.) fand man „Erste-Hilfe“-Kräuter, darunter ein antiseptisches Moos, das als Sphagnum imbhcatum bekannt ist. In einen kleinen Lederbeutel hatte Ötzi zusätzlich andere Heilkräuter und Reste von Birken-Pilzen, die antibiotische Substanzen enthalten.

Nach der kurzen Vorrede ist das Objekt unserer ersten Betrachtung das Bellis perennis, allgemein als Gänseblümchen bekannt. Seine weiße Blüte mit der goldgelben Mitte ziert das ganze Jahr über Wiesen und Rasenflächen. Im südlichen Deutschland wird die Wildblume auch Mairöserl genannt, anderenorts heißt sie Maßliebchen, Tausendschön, Monatsröserl oder schweizerisch Margritli („Kleine Margerite“) und dient schon mal als kulinarischer und optischer Leckerbissen auf einem Salatteller oder im Quark.

Jede Blattrosette bringt von März bis November ohne Unterbrechung blattlose, meist 5 bis 15 cm lange Blütenstandschäfte mit einzelnen Blütenkörbchen hervor. Was für den Betrachter wie eine einzige Blüte aussieht, ist in Wirklichkeit „nur“ eine sogenannte Scheinblüte.

Real besteht der körbchenartige Blütenstand aus mehr als hundert Einzelblüten. Das Körbchen wandert mit dem Sonnenstand und schließt sich abends und bei schlechtem Wetter. Wie für Korbblütler typisch, sind die Blüten auf der Spitze der Sprossachse, dem so genannten Blütenstandboden angeordnet. Für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Fliegen sind Gänseblümchen eine wichtige Nahrungsquelle.

Salat von Gänseblümchen schmeckt ähnlich wie Feldsalat und wird auch so zubereitet. Die Blütenköpfe kann man aufs Butterbrot legen oder über Suppen streuen, auf Kartoffelsuppe zum Beispiel. Wer sich die Mühe machen möchte, die Blüten zu frittieren, erhält eine ausgefallene Beilage, die wie Croutons verwendet werden kann. Das Gänseblümchen ist vielseitig. Werden die Blütenknospen als falsche Kapern eingelegt, sind sie eine Delikatesse. Zur Blutreinigung im Frühjahr kann man aus den frischen oder getrockneten Blüten und Blättern einen Tee aufbrühen oder die Blätter im Salat oder Quark essen.

Als Kultpflanze war Bellis perennis, die „schöne Ausdauernde“, der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Freya geweiht und sollte vor Krankheiten schützen. In der Naturheilkunde gilt das Gänseblümchen nach wie vor sowohl als Blutreinigungs- und Wundheilmittel, als auch als wirksames Tee-Kraut bei Rheuma und zur Anregung des Stoffwechsels.
In der Volksheilkunde werden Gänseblümchenblüten bei Hauterkrankungen, bei schmerzhafter oder ausbleibender Regelblutung, Kopfschmerzen, Schwindelanfällen und Schlaflosigkeit verwendet. Auch zur Hustenlösung wird das Gänseblümchen wegen seines Gehaltes an Saponinen empfohlen. Eine Wirksamkeit in den genannten Anwendungsgebieten ist nicht belegt. Dagegen wird der Blume in alten Überlieferungen eine wahre Wunderwirkung nachgesagt: Es heißt, wer im Frühjahr die ersten drei Gänseblümchen esse, werde das restliche Jahr von Zahnschmerzen, Augenbeschwerden und Fieber verschont. Und wer am Johannistag mittags zwischen 12 und 13 Uhr Gänseblümchen pflückt, trocknet und das Jahr über bei sich trägt, dem gehe keine wichtige Arbeit schief.

foto: pixabay

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