Wenn es aus einem Baum klingt als würde dort zart ein Wagenrad quietschen, dann „singt“ dort eine Heckenbraunelle ihr gleichförmiges „ziht“. Mit ihrem unauffälligen Federkleid unterscheiden wir die Braunellen kaum von den Sperlings-Weibchen, obwohl sie etwas kleiner sind als diese. Das eintönige, dünne hohe „ziht“ aber ist unverwechselbar.

Die Heckenbraunelle ist knapp 15 cm lang und damit etwas kleiner als ein Sperling. Sie wiegt durchschnittlich 20 Gramm. Brust und Kopf sind bleigrau bis schiefergrau; Rücken und Flügel sind satt dunkelbraun und schwarz gestreift. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.

Die Vögel finden ihre Nahrung vorwiegend am Boden: Würmer, Ameisen, Käfer und kleine Schnecken, kleinere Samen ergänzen den Speiseplan. Wie eine kleine Maus, hüpfen sie ruckartig bei der Futtersuche über den Boden, ständig aus den Augenwinkeln nach einer möglichen Deckung Ausschau haltend.

Im dichten Gebüsch dicht über dem Boden liegt auch ihr Nest versteckt. In der Regel befindet es sich zwischen 60 Zentimetern und drei Metern auf der Schattenseite eines Baumes oder niedrigen Busches. Der napfartige Bau besteht aus Halmen und Moos. Innen ist es mit Haaren und Federn ausgepolstert.

Heckenbraunellen haben sehr komplizierte Paarbeziehungen. Die Weibchen streiten im Frühjahr um die Reviere und überlassen die Aufgabe nicht, wie bei den meisten anderen Vogelarten, den Männchen. Erst wenn die Revierfrage geklärt ist, zieht das Männchen ein, verteidigt dann aber gemeinsam mit dem Weibchen die Reviergrenzen. Wegen der dominanten Rolle der Weibchen haben diese gelegentlich zwei Männchen als Partner, die gemeinsam bei der Brutpflege helfen.

Heckenbraunellen sind sexuell sehr aktiv und paaren sich während der zehntägigen fruchtbaren Phase des Weibchens mindestens zweimal pro Stunde. Es gibt zwei Jahresbruten im April und im Juli. Das Gelege besteht aus drei bis sechs grünblauen Eiern und wird 13 bis 14 Tage vorwiegend vom Weibchen bebrütet. Beide Elternvögel füttern die Jungen während der ersten 11 bis 14 Tage. Die auffallend gefärbten Eier können allerdings im April wegen der noch spärlichen Vegetation leichte Beute für Nesträuber werden.

Die Heckenbraunelle ist in unseren Breiten ein häufiger Brut- und Sommervogel, der mit seinem unauffälligen Gefieder meist nur durch seinen „Gesang“ bemerkt wird. In einigen Gegenden Mitteleuropas ist die Braunelle sogar ein Jahresvogel, der nur bei Futterknappheit in etwas wärmere Regionen wechselt.

Der europäische Gesamtbestand wird auf etwa zwölf bis 26 Millionen Brutpaare geschätzt.

Der britische Pfarrer Francis Orpen Morris wählte in seinem in Großbritannien sehr populären Werk A history of British Birds die Heckenbraunelle als Beispiel für Bescheidenheit und Zurückhaltung. Wer Lust hat ein packendes Buch zu lesen, das sehr schön das Leben einer Heckenbraunelle in allen Einzelheiten beschreibt, dem ist Nigel Hintons Buch „Im Herzen des Tals“ als Lektüre zu empfehlen.

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Heckenbraunelle