Sind sie wirklich der Star unter den Vögeln?

Mit seinem glänzenden Gefieder, dem kurzen Schwanz und dem langen Schnabel macht der Star seinem Namen alle Ehre. Die echten Star-Qualitäten zeigt er jedoch als Sänger. Neben der Fülle eigener Melodien kann er auch den Gesang anderer Vögel perfekt nachahmen. Männchen, deren Gesang die meisten Motive enthält und die beim Singen die größte Ausdauer zeigen, sind bei Starendamen am erfolgreichsten.

Es gibt Starenschwärme, die zum Teil mehr als 1 Million Individuen umfassen. Besonders in Weinbaugebieten, aber auch in Kirschplantagen und Olivenhainen können sie erhebliche Fressschäden anrichten. Rasten sie auf großen Schlafplätzen, werden Lärm und Kotmengen als Belästigung empfunden. Zwischen 1950–1980 wurden die Stare in Westeuropa und Nordafrika in großem Stil bekämpft, z.T. mit Kontakt- und Nervengiften oder Dynamit wurden mehrere Millionen Stare getötet – ohne besondere Auswirkungen auf deren Bestände. Stare lassen sich auch nicht durch Lärm, Schreckschüsse, blinkende Lampen oder anderes vertreiben. Der sicherste Schutz für besondere Weinkulturen oder Kirschplantagen ist der großflächige Einsatz von Netzen.

Die Schwarmvögel sind nur am Brutplatz territorial. Hier verteidigen sie ihr Revier bis ca. 10 m um die Bruthöhle. Nahrungsflächen werden dagegen gemeinsam genutzt.

Nachts bevorzugen sie gemeinsame Schlafplätze, in der Natur gern in größeren Schilfgebieten, in Baum- und Strauchgruppen. Auch in den Städten treffen wir große Kolonien. Am Berliner Dom sollen sich von Juni bis Ende Oktober jede Nacht bis zu 40.000 Stare aufhalten. Im Winter können solche Schlafgemeinschaften mehr als 1 Million Individuen umfassen.

Die Stare sammeln sich zunächst an exponierten Vorsammelplätzen, wie hohen Bäumen oder Stromleitungen und fliegen von dort in Trupps oder größeren Schwärmen zum eigentlichen Schlafplatz. Schwärme mit mehreren Tausend Individuen bilden über ihrem Schlafplatz oft eine Wolke, bevor sie dann schlauchförmig nach unten fliegen, auf größere Entfernung kann das wie ein Tornado aussehen.
Noch im neunzehnten Jahrhundert galt der Star in armen Familien als Heimtier und wurde frei in der Wohnung gehalten. Wie fast alle Singvögel wurde er in jener Zeit auch gegessen.

Im ‚Vollständigen Handbuch praktischer Lebensbekenntnisse für alle Stände‘, Bd. VII, von Breitkopf und Härtel, Leipzig 1837 lesen wir über den Star:
Nimmt man die Jungen aus dem Neste u. pfeift ihnen eine Arie vor, so lernen sie dieselbe viel reiner u. stärker nachpfeifen, als Gimpel u. Hänflinge. Im Talent, sprechen zu lernen, übertrifft er noch die Elster. Er vergisst aber das Gelernte leicht wieder, […] besonders zur Zeit der Mauser. Er lebt in der Stube mit andern Vögeln gesellig, gewöhnt sich auch an die übrigen Hausthiere, so daß er ihren Rücken von Ungeziefer reinigt[,] u. ist sehr possirlich. […] Er will sich immer baden. […] Der junge St. ist eine gute Speise, der alte aber schmeckt bitter u. ist schwer verdaulich. Doch wird er häufig gegessen, wobei man ihm den bittern Geschmack durch Abziehen der Haut zu nehmen sucht.

Mit typischen Starenkästen lassen sich die Multitalente auch in den eigenen Garten locken. Am besten, man hängt gleich mehrere dieser Kästen in einigem Abstand nebeneinander; Stare fühlen sich in geselliger Runde am wohlsten.
Aus den Winterquartieren kehren sie mit am ersten zurück. Bei uns überwinternde Stare stammen meist aus nördlicheren Gebieten. In milden Wintern bleiben inzwischen aber auch heimische Stare vermehrt bei uns oder ziehen nur nach Südwestdeutschland. Die sich hauptsächlich von Würmern, Insekten und Früchten ernährenden Stare fressen im Winter Beeren und Samen, in der Not auch Meisenknödel.
Prinzipiell ist der Star Allesfresser, seine Nahrung ist je nach Jahreszeit aber unterschiedlich. Im Frühjahr und Frühsommer ernährt er sich vor allem von Insekten, aber auch Regenwürmern und kleinen Schnecken. In der übrigen Zeit frisst er hauptsächlich Obst und vielerlei, vor allem Kirschen und Äpfel, in südlicheren Regionen Europas vor allem Weintrauben und Oliven, verschmähen allerdings auch nicht Nahrungsabfälle aus dem Haushalt.
Stare bescheren uns vor dem Winter eines der schönsten Schauspiele unserer Vogelwelt. Wenn sie in Schwärmen als „schwarze Wolken“ am Himmel manövrieren, beobachten wir am Abendhimmel eindrucksvolle Formationen. Ein einzelner Star wirkt in der Flugsilhouette dreieckig, kompakt und spitzflügelig. Typisch bei ihm ist der Wechsel zwischen Ruderflug und Gleitflugphasen.

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